Corona & Schule – Schluss mit Perfektion

3×5 Tipps und Tricks um entspannter durch die Corona Homeschooling Zeit zu kommen. Nach dem Lesen des Artikels haben sie 15 ganz pragmatische Tipps, wie sie Motivation, Struktur und den Faktor Mensch unter einen Hut bekommen.

Für viele Menschen geht bald wieder das Homeschooling los. In diesem Zusammenhang hatte ich vor kurzem eine Mutter im Coaching. Die Kinder sind sechs (Vorschule) und 11 Jahre (4. Klasse) alt.

Das Gespräch startete sinngemäß so: „Jetzt geht wieder alles von vorne los. Wie soll ich das nur schaffen?“ Ich erwiderte: „Ja, wie schaffst du es denn, Partnerschaft, Homeschooling, Kinder, Beruf und deine Bedürfnisse optimal unter einen Hut zu bekommen?“

Verzweiflung und Frustration sind unangenehme Zeitgenossen. Sie rauben uns mehr Energie als uns gut tut. Wir haben begonnen zu rekapitulieren, was im letzten Lockdown mit Homeschooling gut geklappt hat und was nicht gut funktioniert hat. Schnell hatten wir eine Vormittagsstruktur für die Kinder. Bei genauerer Betrachtung ist aufgefallen, dass die „ME-TIME“ der Mutter arg zu kurz kommt. Also haben wir auch kurze Pausen- und Erholungszeiten für die zweifache Mutter erarbeitet. Spannend war an dem Gespräch, dass zu Beginn die eigenen Bedürfnisse, die des Ehemanns und der Partnerschaft komplett außer acht gelassen wurden. Im weiteren Verlauf des Gespräches hat sich herausgestellt, dass die bewährte Struktur aus dem letzten Lockdown sich im wesentlichen auf die große Tochter bezieht und der Sohn zwar einbezogen wird aber eigentlich nur mehr oder weniger mitlaufen und funktionieren muss.

Homeschooling startet bei dieser Familie um 8 Uhr morgens und endet mit drei Pausenblöcken gegen 13:30 Uhr. Ab dem Nachmittag müssen die Großeltern ran oder die Kinder müssen auch mal 1-2h allein zu Hause bleiben, denn dann beginnt die Erwerbstätigkeit dieser vollzeitangestellten Mutter. Das Verlegenheitslächeln und die Scham darüber, die Kinder im Notfall allein zu Hause zu lassen haben in mir Betroffenheit und Besorgnis ausgelöst.

Kinder halten sich ja an Pläne wie der April an stabiles Wetter. Also wie schafft sie es, diesen Plan umzusetzen?

Im Grunde sind es drei wesentliche Faktoren, die es zu beachten gilt:

  1. Motivation
    1. Die Kinder bei der Erstellung des Wochenplans einbeziehen. Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigen.
    2. Digitale Lerngruppen auch außerhalb des schuleigenen Systems per WhatsApp oder Facetime etc. etablieren.
    3. Etwas Zeit mit dem Haustier zwischendurch verbringen.
    4. Größere Kinder können den kleinen Kindern auch mal etwas beibringen und Lehrer spielen.
    5. Alexa fragen, B. „Wie lautet die erste binomische Formel?“.
  2. Faktor Mensch
    1. Läuft der Tag nicht wie geplant, dann einfach etwas anderes tun. Nichts ist schlimmer als sich dogmatisch dem Plan zu unterwerfen und den ganzen Tag schlechte Laune und Stress zu haben.
    2. Frustration gehört zu unserem Leben dazu. Freiräume schaffen, um die negativen Gefühle zu verarbeiten müssen berücksichtigt und einkalkuliert werden.
    3. Pausen- und Erholungszeiten fest einplanen und sich auch wirklich daran halten.
    4. Die Bedürfnisse eines Nichtschulkindes, das nicht in die Kita gehen darf, sind genauso wichtig, wie die Schul- und Lehrbedürfnisse eines Schulkindes.
    5. Echte Sozialkontakte so weit es geht und erlaubt ist aufrechterhalten.
  3. Struktur
    1. Die Aufmerksamkeit bei den Kindern ist vormittags am größten, also vormittags lernen und nicht lange ausgeschlafen.
    2. Es braucht einen strukturierten Tagesablauf. Vom Aufstehen bis zum zu Bett gehen. Nicht allein für das Schulkind, sondern auch für das kleinere Kind und die Homeschooling-Lehrer.
    3. Die letztbekannte lockdown Struktur nicht sofort perfekt wieder umsetzen, sondern den Kindern auch Zeit geben, sich da wieder hineinzuentwickeln. Geben Sie sich und den Kindern Zeit.
    4. Pausenzeiten müssen explizit eingeplant werden. Nicht nur für die Kinder, sondern für alle Betroffenen.
    5. Pufferzeiten helfen, um sich mehr Freiräume zu schaffen.

Wer schon mal ein Rezept nachgekocht hat, wird vielleicht festgestellt haben, dass wenn man sich so penibel wie möglich an die Zutaten hält, es einfach nicht gelingen mag. Auch in diesem Fall gilt: Eskalation, Wut und Tränen gehören zum Leben dazu. Auch wenn das bedeutet, dass die geplante Familienzeit am Wochenende nicht wie geplant stattfindet, weil Inhalte aus dem Homeschooling am Wochenende nachgeholt werden müssen.

Dieser Plan und diese Struktur ändern allerdings nichts daran, dass diese Frau sich im speziellen völlig zerreißt. Aber, und das ist der springende Punkt, sie übernimmt Verantwortung und Kontrolle in einer Zeit in der so vieles willkürlich und nicht nachvollziehbar erscheint. Weil ihr Arbeitgeber die reduzierte Arbeitszeit stillschweigend akzeptiert und hinnimmt, kann sie es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren Kindkranktage zu nehmen.

Meiner Meinung nach müssten Eltern, insbesondere Mütter mehr Aufmerksamkeit und wenigstens Beifall für diese Leistung erhalten.

Chapeau! Danke.

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